Angeln und lesen
Angeln und lesen
Harry und Wilma Vanderzeh
machten Urlaub am Ammersee.
Er wollt' angeln, sie wollt' lesen,
jedesmal ist's so gewesen.
Er ruderte das Boot hinaus,
nach drei Stunden kam er ins Haus.
Kein Schwanz hatte angebissen,
es half nicht sein Anglerwissen.
Wilma hatte ihm Frühstück gemacht,
ihn vorher tüchtig ausgelacht,
weil er keinen Fisch gefangen,
selbst die Vögel höhnisch klangen.
Enttäuscht ging er zurück ins Bett
und dachte sich, es wäre nett
würd' sie ihm Gesellschaft leisten,
es taten doch gern die meisten.
Wilma an was and'res dachte,
sie sich auf die Socken machte,
selbst rauszurudern mit dem Boot,
jede Bewegung tat ihr not.
Ihren Schmöker sie nicht vergaß,
den sie seit gestern abend las.
Die Wellen haben sich bewegt,
ein Motorboot kam angefegt.
Der Parkwärter Wilma fragte,
was im Ruderboot sie machte.
"Dass ich hier lese, seh'n sie doch,
also, was wollen Sie denn noch ?"
Auf die Angel zeigte der Mann,
mit der man Fische fangen kann.
"Zeigen Sie Ihren Angelschein,
das wird doch nicht so schwierig sein.
Die Ausrüstung liegt offen da,
der Zweck dafür ist sonnenklar,
dass Sie heimlich angeln wollen,
was Sie ohne Schein nicht sollen !"
"Hören Sie mal, sie können mich,
sehen Sie nicht, hier lese ich ?"
"Ich werd' den Strafzettel schreiben !"
"Das lassen Sie besser bleiben.
Ich schrei 'Vergewaltigung',
Sie sind hässlich und ich bin jung !"
"Aber. das ist doch gar nicht wahr ?"
"Ihre Ausrüstung ist aber da !"
© Karl-Heinz Fricke 8.6.2010

